Softwareentwicklung – voll auf die Zwölf

on März 30 | in 4 tagwerkteam, 5 tagwerkzeug, 9 Beiträge, Ideen, Träumereien | by | with 1 Comment

Über Fehler im allgemeinen und Fehler in Software habe ich ja schon geschrieben. Aber seit Wochen mache ich kaum noch was anderes als Bugs fixen – wie wir Entwickler so schön sagen, also Fehler beheben. Heute will ich das tun, was ich eigentlich hasse. Mich selbst bemitleiden, mal so richtig schön jammern.

Als Softwareentwickler ist man Kummer gewohnt. Meist steht nach kurzer Zeit ein Prototyp, ein erster Dummy, an dem getestet werden kann. Dann kann man sich kurz in der Begeisterung sonnen. Aber auch wenn man da noch dagegen hält – das ist noch nicht fertig, das ist nur ein Prototyp, wir brauchen noch Zeit, gehen die meisten davon aus, daß das schon fertig ist. Die Einwände halten die Leute nur für Understatement. Sind sie aber nicht. Das wird dann meist drei Tage später klar, wenn der Prototyp auch gegen alle Empfehlungen frei gegeben wurde. Es war klar absehbar, was passiert. Aber verhindert nicht, daß man dann zur Rede gestellt wird, warum das alles nicht tut.

Es ist ein leidiges Phänomen, mit dem alle Softwareentwickler leben, daß das beste Lob keine Beschimpfungen sind. Eine Software die funktioniert, funktioniert. Das ist selbstverständlich und wird nicht hinterfragt. Eine Software die nicht funktioniert, ist eine Zumutung und diese Einstellung wird dann direkt weiter gegeben. Außerdem wird erwartet, daß das Problem umgehend behoben wird. Egal ob es sich dabei um einen echten Fehler handelt, ein Bedienproblem, einen nicht gelesenen Bedienhinweis „tun sie das nicht, sie werden sich weh tun“ oder ein Problem auf dem Rechner des Kunden – es landet bei mir auf dem Tisch und wird umgehend zu meinem Problem.

Verschärft wird das Problem bei guter Software – in guter Software steckt sehr viel Arbeit damit es so aussieht, als würde überhaupt keine Arbeit darin stecken. Das ist die Software, die einfach und intuitiv zu bedienen ist. Da das dann aber so leicht und spielerlisch aussieht, denken alle, das die Entwicklung auch leicht und spielerisch war. Entsprechend gering ist dann die Toleranz gegenüber Fehlern. Ich habe manchmal den Verdacht, daß Entwickler komplexe Anwendungen gerne auch komplexe Oberflächen geben nur um zu zeigen – lieber Anwender, mach dich darauf gefaßt: Das hier ist komplex und war schwierig. Wenn etwas nicht so geht, wie erwartet, liegt das wahrscheinlich an Dir.

Das ist nicht unser Ansatz. Unsere Software soll intuitiv und einfach sein– und das ist sie auch. Jedenfalls für mich. Aber leider bin ich nicht das Maß aller Dinge, ich bin nicht mal ein typischer Anwender, ich bin nur einer von vielen. Mittlerweile sind wir besser geworden, haben die Anwendung mit vielen anderen Anwendern getestet, aber wir sind noch nicht da, wo wir hin wollen. Wir haben jetzt auf der Seite ein Feedbacktool integriert. Unsere Bitte – nutzt es und helft uns die Anwendung so gut zu machen, wie wir uns das vorstellen. Also bitte meckern und mitmachen.

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One Response to Softwareentwicklung – voll auf die Zwölf

  1. georg portwich sagt:

    Ich habe mich auch an kummer gewöhnt und es war nicht klar absehbar war passiert…

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