Einen Stundensatz kalkulieren für Freiberuflerinnen und Freiberufler

on Juni 3 | in 6 Gastbeiträge, 9 Beiträge, Ideen, Träumereien | by | with No Comments

Einen Stundensatz kalkulieren für Freiberuflerinnen und Freiberuflern, was ist zu beachten!

Es ist so weit. Die ersten Anfragen von Kunden kommen. Aber in der Regel muss zuerst ein Angebot gestellt werden, bevor ein Auftrag erteilt wird. Es gilt, die Preise zu kalkulieren. Besonders bei Freiberuflerinnen und Freiberufler ist einer der wesentlichen Punkte der Preisgestaltung der Stundensatz. Hier will natürlich niemand sozusagen für einen Apfel und ein Ei arbeiten und die Vergütung seiner Arbeitszeit viel zu niedrig kalkulieren. Andererseits ist ein zu hoher Stundensatz auch nicht gut für das Geschäft, da es bei überhöhten Preisen in der Regel auch nicht zu einem Auftrag kommt. Meist wandert der Kunde zur Konkurrenz ab und ist dann in der Regel für immer verloren.

Kurz gesagt:
Unter einem  Stundensatz versteht man jene Summe, die du als Freiberuflerin ider als Freiberufler deinen Kunden pro Stunde Arbeit in Rechnung stellst.

Arbeitest du etwa drei Stunden an einem bestimmten Projekt, musst du dreimal deinen Stundensatz verrechnen. In der Regel ist dieser Satz ein Nettobetrag, auf den noch die Umsatzsteuer aufgeschlagen wird.


Was verdienen Freiberuflerinnen Freiberufler in Deutschland


In Deutschland liegt der durchschnittliche Stundensatz einer Freelancerin oder eines Freelancers bei 93,89 Euro netto. Hochgerechnet bringt dir das ein Monatseinkommen von fast  7000 Euro. Aber die Entlohnung kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es hängt nicht nur von der Branche und der angebotenen Tätigkeit ab. Sogar in den einzelnen Bundesländern kann das Honorar für Freiberufliche unterschiedlich ausfallen. So lag im Jahr 2020 etwa der durchschnittliche Stundensatz für Freiberuflerinnen und Freiberufler im Bundesland Rheinland-Pfalz bei 91 Euro und in Thüringen mit 44 € bei weniger als der Hälfte.

Quelle: Statista.com

Natürlich gibt es auch je nach Branche starke Unterschiede.

Die besten der Freelance-Jobs mit den besten Aussichten auf hohen Verdienst finden sich im

  • Bank- und Finanzwesen. 
  • Versicherungen
  • Die IT-Branche selbst
  • Werbeagenturen

Ein ähnliches Ergebnis zeigte auch eine Umfrage der IT-Projektbörse Gulp. Es wurden mehr als 2100 Selbstständigen im Bereich IT und Engineering befragt. Hier wurde als Durchschnitt ein Stundensatz von  79 Euro angegeben. Aber etwa ein Drittel der Freiberuflerinnen und Freiberufler  (34,1 Prozent) konnte lediglich Stundensätze von unter 70 Euro erzielen. Dass sie den Spitzenverdienern mit über 100 Euro pro Stunde zählen, gaben etwas unter 18 Prozent der Befragten an.

Damit du deinen Stundensatz richtig berechnen kannst, musst du einmal wissen, wie viele Stunden am Tag, oder wie viele Stunden in der Woche du mit produktiver Arbeit zubringst. Wie viele Stunden werden für zwar wichtige, aber unproduktive Tätigkeiten wie Verwaltung, Lernen und Testen, Reinigung und Instandhaltung, aber auch Kundenakquise aufgewandt.

Im Durchschnitt verbringt ein Freiberufler oder Freiberuflerin in Deutschland nur etwa die Hälfte der Zeit mit der Arbeit an Projekten. Diese Zeit variiert natürlich stark von Branche zu Branche. Ein weiterer Punkt, den du beachten solltest, sind die normalerweise üblichen Stundensätze, die Freiberuflerinnen und Freiberufler für ähnliche Projekte oder Dienstleistungen in Rechnung stellen. Zur Berechnung der Stundensätze finden sich im Web einige sehr hilfreiche Tools. Im Internet finden sich verschiedene Honorarrechner für Freiberuflerinnen und Freiberufler. Einen Überblick gibt dir auch eine sehr interessante Zusammenfassung des internationalen Headhunters Hey´s, die hier kostenlos heruntergeladen werden kann.


Eine betriebswirtschaftliche Kalkulation


Viele Freiberuflerinnen und Freiberufler haben ihr Hobby zum Beruf gemacht. Besonders im kreativen Bereich. Das ist etwa bei Entwicklerinnen und Entwicklern, Designerinnen und Designer, Texterinnen und Texter, Fotografinnen oder Fotografen und Videofilmerinnern und Videofilmern der Fall. Hier überwiegt oft die Freude an einer neuen herausfordernden Aufgabe und dann wird dem betriebswirtschaftlichen Grundlagen einfach zu wenig Beachtung geschenkt.

Aber: Ein Auftrag kann noch so herausfordern und interessant sein. Wenn es sich finanziell nicht lohnt, sollte er meist abgelehnt werden. 

Das gilt in den meisten Fallen auch bei Jobs für größere Auftraggeber, etwa für große Werbeagenturen. Größtenteils wird ein Dumpingpreis, den du beim ersten Job abgegeben hast, auch für weitere Auträge gefordert und du stempelst dich schnell zum „billigen Jakob“ ab. Deshalb ist es vernünftiger, einen Auftrag abzulehnen, wenn du dabei finanzielle Verluste machst.


Erfahrung und Selbstbewusstsein


Gerade in der ersten Zeit der selbstständigen Tätigkeit kommt es einem größtenteils unverschämt vor, für vermeintlich simple und einfache Arbeiten, die nur 2, 3 Stunden deiner Arbeitszeit erfordern, 200 oder 300 Euro zu berechnen. Man hat möglicherweise einen Monatslohn als Angestellter im Hinterkopf, wo du am Ende des Monats 2000 bis 3000 Euro als Gehalt bekommen hast.

Aber das Gehalt von Angestellten sollte niemals als Referenz für dein Honorar als Freelancerin oder Freelancer genommen werde.

Als Angestellter hat die Firma die Lohnnebenkosten und die Beiträge für die Krankenkasse bezahlt und er hat sich auch um die ordnungsgemäße Abführung der Steuern gekümmert. Sie muss die anteilige Miete für deinen Arbeitsplatz zahlen und sie stellt dir auch die für deine Arbeit notwendigen Geräte wie Computer und Software zu Verfügung. Außerdem hast du als Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer auch Recht auf einen mehrwöchigen bezahlten Urlaub. Das alles musst du anteilig auf deinen freiberuflichen Stundenlohn aufschlagen und beim Stundensatz kalkulieren für Freiberuflerinnen und Freiberufler beachten.

Auch eine gewisse Portion Selbstbewusstsein musst du dir als Selbstständige oder Selbstständiger zulegen. Für viele erscheint es besonders zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit geradezu unverschämt und es erfordert auch eine gewisse Portion Mut dazu, für eine Stunde einen Stundensatz von 60 Euro, 90 Euro oder sogar 120 Euro zu verlangen. In der Berufspraxis wird dies oftmals vom Auftraggeber besonders bei Verhandlungen mit jungen Selbständigen ausgenutzt. Sie sind noch unerfahren und verkaufen sich und ihre Arbeit dann unter dem wahren Wert.


Einen Stundensatz kalkulieren für Freiberuflerinnen und Freiberufler, verschieden betriebswirtschaftliche Aspekte


Nehmen wir einmal an, du hast bis jetzt in deiner unselbstständigen Tätigkeit 3.000,- Euro im Monat brutto verdient. Das entspricht einem Stundenlohn bei etwa 25 Arbeitstagen mit je 8 Stunden von etwa 15 Euro. Das ist mit Sicherheit kein angemessener Stundensatz für Selbstständige oder Freiberuflerinnen und Freiberufler.  Was ist an dieser Berechnung falsch?

Stundenlohn 15,-


Arbeitsfreie Tage


Bei dieser Berechnung wurde zwar die Samstage und Sonntage berücksichtigt, aber keine Feiertage. Außerdem ist auch dein wohlverdienter Urlaub außer Acht gelassen worden.  Als Angestellter stehen dir in der Regel pro Jahr je nach Dauer deines Arbeitsverhältnisses  25 bis 30 Tage bezahlten Urlaub zu. Weiters muss man rein, statistisch gesehen, noch mit einem Tag Krankenstand pro Monat gerechnet werden. 

Normalerweise musst du auch Zeit für deine Aus- und Weiterbildung in die Berechnung einbeziehen. Da kommt wieder ein Tag in zwei Monaten dazu.  

Es wird also nur an zwischen 200 und 210 Tagen im Jahr effektiv oder 17 bis 18 Tage im Monat gearbeitet. Bei unserem fiktiven Durchschnittsgehalt von 3000 pro Monat ergibt sich dann ein Stundensatz von 21,50 Euro.

Stundenlohn 21,50-


Die Betriebskosten


Denke immer daran, dass der Umsatz nicht gleich Gewinn ist. Du musst von deinen Stundensatz all deine betrieblichen Kosten bezahlen. Das sind unter anderem die Miete für deine Arbeitsräume, die Leasingrate fürs Firmenfahrzeug und für Geräte und Maschinen, deine betrieblichen Versicherungen, Kosten für Buchhaltung und Lohnverrechnung und so weiter. All das sind Dinge, um die du dich als Arbeitnehmer nicht gekümmert hast, da sie vom Arbeitgeber bezahlt wurden. Als Selbstständige oder Selbstständiger musst du all dies aus eigener Tasche bezahlen.

Die monatlichen Kosten für betriebliche Fixkosten schwanken natürlich von Branche zu Branche und auch von der Betriebsgröße. Sie beginnen meist bei einigen hundert Euro im Monat und können auch mehreren tausend Euro betragen. Natürlich sind diese Kosten auch in deiner Kalkulation zu berücksichtigen. Wir rechnen hier mit realistischen monatlichen 1.200,00 Euro für die Kosten von Miete, Leasingraten, Telefon und Internet, Versicherung, Büromaterial, Reisekosten und mehr. Der zu kalkulierende Stundensatz steigt von 21,50 um etwa 8,50 Euro und beträgt somit 30,-Euro

Stundenlohn 30,-


Die unproduktive Zeit


Damit ist natürlich nicht die Zeit gemeint, in der du vor dem Computer sitzt und von einem knallroten Ferrarin einer Villa an der Mittelmeerküste oder viel Freizeit träumstträumst. Hier ist viel mehr die Zeit gemeint, die du mit Dingen verbringst oder verbringen musst, die keinen direkten Profit abwerfen. Das sind Verwaltungsarbeiten wie Angebote oder auch Fakturen schreiben, deine Buchhaltung vorbereiten und diese meist selber auch zu machen..

Dazu zählt auch die Gewinnung neuer Kunden oder die Erledigung von Reklamationen und auch die Nachkalkulation von fertigen Jobs. Wie viel Zeit du für diese „unproduktiven“ Tätigkeiten aufwenden musst, hängt von einigen Faktoren ab. Im Durchschnitt beträgt der Zeitaufwand für diese Tätigkeiten etwa 25 bis 30 Prozent deiner Arbeitszeit. Wenn du auch diesen Posten bei der Kalkulation des Stundensatzes berücksichtigst, steigt der Stundensatz von 30,- Euro auf etwa, 40.- Euro.

Stundenlohn 40,-


Rücklagen für Investitionen und Reparaturen


Das ist ein wichtiger Punkt, der besonders zu Beginn der Selbstständigkeit von vielen Freelancerinnen und Freelancer oftmals vergessen oder nicht beachtet wird. So kann immer ein Computer den Geist aufgeben, das Firmenfahrzeug muss in die Werkstatt.

 Du möchtest natürlich auch wachsen und benötigst dafür neue Geräte oder eine neue Einrichtung. Wir nehmen der Einfachheit an, dass wir für diese Position im Monat 1.000 Euro einkalkulieren. Das erhöht bei unserer Kalkulation den Stundensatz wieder um etwa 7 Euro. Der Stundensatz beträgt jetzt schon  47,- Euro.  

Stundenlohn 47,-


Der Unternehmergewinn


Das ist ein Punkt, der bei den meisten Berechnungen des Stundensatzes meist nicht beachtet wird. Unter Unternehmergewinn versteht man das Entgelt für dein unternehmerisches Risiko und auch eine kalkulatorische Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Du hast dich ja sicher auch selbstständig gemacht, um auch finanziell besser dazustehen. Deshalb bekommst du mit dem bisher errechneten Stundensatz von 47,- Euro etwa genau so viel wie für deine unselbstständige Tätigkeit.

Dieser Teil des Stundenlohns ist auch eine Absicherung des unternehmerischen Risikos.

Du könntest zum Beispiel mehr als 10 Tage krank werden. Es kann eine unverhoffte Auftragsflaute eintreten und du bekommst einfach keine Aufträge. Kunden können nicht zahlen oder bei einem Auftrag geht etwas schief. Dies zwar bei größtenteils freier Zeiteinteilung und bei einer Arbeit, die dich hoffentlich weit mehr befriedigt. Aber was ist mit der Abdeckung des finanziellen Risikos, dass eine Unternehmerin und ein Unternehmer ja weit mehr als unselbstständig Erwerbstätige zu tragen hat. Hier solltest du beim Stundensatz kalkulieren, etwa 25 % bis 30 % Aufschlag einsetzen. Das sind bei unserem fiktiven Beispiel wieder 1000 Euro im Monat oder nochmals 7 Euro pro Stunde. Der fiktive Stundensatz steigt auf 54 Euro an.

Stundenlohn 54,-


Beitrag für Kranken- und Sozialversicherung


Mit der Sozialversicherung für Selbstständige haben wir uns in einem der vorigen Beiträge genauer beschäftigt. Hier nur mehr die wichtigsten Punkte. Anders als ein unselbstständiger Erwerbstätiger, wo dieser Part vom Arbeitgeber übernommen wird, musst du als Freiberuflerin oder als Freiberufler selbst für deine Sozialversicherungsbeiträge aufkommen.

Daher müssen sie auch ein Teil des kalkulierten Stundensatzes sein. Es müssen folgende Beiträge in die Berechnung mit einbezogen werden. Für die Krankenversicherung 7,3 %, für die Pflegeversicherung 1,175 % und für die Rentenversicherung 9,35 %. Das sind in Summe 17,825 % oder etwa 700,- Euro im Monat. Du solltest daher 5,50 zum Stundensatz hinzufügen, der sich somit auf erhöht.

Stundenlohn 59,50


Die Steuer


Wir kommen nun zum letzten Punk unserer Kalkulation, der Steuer.

Da ist einmal die Umsatz- oder Mehrwertsteuer. Dieser Punkt kann bei unserer Kalkulation komplett vernachlässigt werden. Es ist ein Durchlaufposten, der bei der Kalkulation auf den Stundensatz aufgeschlagen wird und der auch vom Kunden wieder beim Finanzamt geltend gemacht werden kann.

Anders, wenn du mit Endkunden, die nicht zum Abzug der Mehrwertsteuer berechtigt sind, zusammen arbeitest. Dann müsstest du den geltenden Mehrwertsteuersatz auf den Stundensatz aufschlagen. Dies ist aber meist eher selten der Fall und ich vernachlässige es in unserer Rechnung. Der fiktive Stundenlohn bleibt bei 59,50

Stundenlohn 59,50


Fazit


Fassen wir hier die Ergebnisse unserer fiktiven Berechnung noch einmal zusammen: Wenn du als Freelancer lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von etwa 1.500 Euro verdienen möchtest, dann musst du deinen Kunden exakt 28,60 Euro pro Stunde berechnen. Aber du hast sich ja sicher nicht selbstständig gemacht, um mit einem Mindestgehalt abgespeist zu werden. Realistischer für den Anfang ist ein durchschnittliches Gehalt von etwa 3.000 Euro im Monat. Um dieses als Selbstständige oder als Selbstständiger zu erreichen, ist realistisch ein Stundensatz von etwa 60,00 Euro pro Stunde anzusetzen.

Der Stundensatz ist der Betrag, den du deinen Kunden für deine Arbeitsleistung pro Stunde in Rechnung stellst. Die Kosten für verbrauchtes Material sind darin in der Regel nicht enthalten. Deine Betriebskosten (etwa für Miete, Fahrtkosten oder Versicherungen) und dein Gewinn hingegen schon.

Bei einem jährlichen Netto-Umsatz eines Freelancers von 200.000 EUR bleiben dem Freelancer nur gute 5.000 EUR pro Monat, um das Leben zu finanzieren. (Rechnung ohne Urlaub, Krankheit, Projektleerlauf) Urlaub wird schnell zum Luxus für einen Freelancer.

Do it! Idealerweise sollte dein erwirtschaftetes Einkommen als Freiberuflerin und Freiberufler dauerhaft monatlich in den fünfstelligen Bereich gehen, dann hat sich dein unternehmerisches Risiko absolut gelohnt. Das ist etwa bei einem Stundensatz um 100,- Euro der Fall.

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